Theater S4

Herr der Fliegen

Fotos: Dorothee Welter-Hanau

Mit Williams Golding Roman „Herr der Fliegen“ haben die Abiturienten des zweiten S4-Theater-Kurses zusammen mit Frau Sudhoff einen Weltbestseller auf die Bühne gebracht. Goldings Robinsonade handelt von einer Gruppe Jugendlicher, die als einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes auf einer entlegenen Insel in der Karibik stranden.

Von jeder Beeinflussung durch Erwachsene abgeschnitten, kommt es beim Überleben darauf an, das Zusammenleben erfolgreich zu organisieren. Begabt mit natürlicher Autorität ist Ralph der geborene Anführer der Gruppe und wird zum Sprecher gewählt.

Doch Jack, dem es um das Erlebnis der Macht geht, macht ihm seine Position streitig. Er hält sich nicht an die verabredeten Regeln, sondern vertritt eine Strategie der Anarchie und der Wildheit. Während die Gruppe um Ralph mit Vernunft und Gemeinschaftssinn ein weithin sichtbares Feuer hütet, geht Jack mit seinen Anhängern im Dschungel auf die Jagd.

Nachdem Jack ein Schwein erlegt hat und das erste Blut geflossen ist, eskaliert der Konflikt. Die Vertreter der Vernunft geraten zunehmend in die Rolle der Gejagten.

Die archetypischen Opfer sind der durch sein Lispeln und seine dicke Brille entstellte Piggy und der epilepsiekranke Simon, der ausgelöst durch das ekstatische Treiben der Jägerhorde einen tödlichen Anfall erleidet. Der Kult der Gewalt lässt verstörte Jugendliche zurück, die ihre zivilisatorischen Wurzeln verloren haben.

An dieser Stelle bricht das leitende Wissenschaftlerteam das aus der Ruder gelaufene Sozialexperiment ab. Das Trio, das sich mehrfach mit zynischen Kommentaren in das Geschehen einschaltete und angeblich mit dem Einverständnis der Eltern handelte, weist die Verantwortung für die Eskalation von sich. So bleibt es dem Zuschauer überlassen, die Lehre aus Goldings Parabel zu ziehen. Der Firnis der Zivilisation ist dünn, darunter liegt nicht kindliche Unschuld, sondern die rohe, gewalttätige, mordlustige Natur des Menschen. Das Monster, das die Jugendlichen auf der Insel vermuteten, stellt sich als das Monströse heraus, das in ihnen selbst liegt.

Der Kurs hat Goldings Anti-Utopie in starken Bildern umgesetzt. Maske, Kostüme und Bühnenbild waren dazu angetan, das barbarische Südsee-Idyll wirklichkeitsnah in Szene zu setzen. In den Massenszenen erschien die Bühne im Theatersaal angesichts der vielen Requisiten zwar etwas beengt für die kontrahierenden Horden. Hier hätte vielleicht eine konsequentere Choreographie abhelfen können.

Doch das engagierte und konzentrierte Spiel der Darsteller überwog die kleineren dramaturgischen Schwächen. Das Ensemble zeigte eine überzeugende Leistung und brachte die pessimistische Botschaft des Stückes gekonnt auf den Punkt. Wir danken dem S4-Kurs und Frau Sudhoff, die erst zum Jahreswechsel als vertretende Regisseurin eingesprungen war, für den lehrreichen Abend!

 

Dorothee Welter-Hanau

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