Theater Oberstufe


Mr. Love

Fotos: Dorothee Welter-Hanau


Hexenjagd

Fotos: Dorothee-Welter-Hanau


Störgeräusch (Punk Rock)

Fotos: Dorothee Welter-Hanau

Zu Beginn des Theaterabends, den der DS-Kurs 12 unter Leitung von Frau Kuzmanovska präsentierte, steht ein Engel am Rande der Bühne und gibt sich den Zuschauern als Göttin der Liebe zu erkennen. Warum es so schwer sei, das Gefühl, nach dem alle sich sehnten, wirklich und dauerhaft zu erleben: Liebe!?

Zur Anschauung gibt die Göttin die Bühne frei für junge Paare, die in kurzen Spielszenen die alltägliche Katastrophe ihrer Partnerschaften vorführen: unerträglich gewordene Charakterzüge, beruflicher Stress, Langeweile, Übererwartung, Desinteresse. Die Situationen und Dialoge sind klischeehaft, bieten den Darstellern aber die Möglichkeit, wie z.B. Hanna als frustrierte Assibraut ins Volle zu gehen. Antworten auf die ewige Frage nach der Liebe bringt dieser Reigen der Missverständnisse und Verletzungen nicht. Der Kurs hatte die Frage deshalb an die Schulgemeinschaft weitergegeben und präsentierte jetzt die Antworten aus dem Lehrerzimmer und dem F-Gebäude. Das war unterhaltsam, aber auch anrührend, denn niemand schien die Frage nach der Liebe nicht ernst zu nehmen!

Die jungen Paare unternahmen daraufhin einen neuen Versuch, sich nahe zu kommen, in einer Choreographie, die Sehnsucht ausdrückte, aber in Handgreiflichkeit mündete. In diesem Moment trat schließlich, eingespielt in einem Werbeclip, Mr. Love auf den Plan. Fotos versprachen die XXL-Romanze, die perfekte Liebe auf Rezept im Workshop für schlappe 399 Euro. Müßig zu erwähnen, dass alle Paare einer Betrügerin aufsaßen.

 

Am Ende steht die Göttin der Liebe wieder alleine am Bühnenrand. Das Gefühl, das sie verkörpert, ist rätselhaft geblieben. Was die Liebe denn ist? Und ans Publikum gewandt: „Wissen Sie es?“ Dass die Frage offenbleibt, liegt in der Natur der Sache. Der DS-Kurs 12 jedenfalls hat die ewige Frage in eine revueartige Komödie verwandelt und damit einen unterhaltsamen Theaterabend gestaltet. Vielen Dank!

 

Dorothee Welter-Hanau

E-Mail an Dorothee Welter-Hanau


Die Zuschauer wissen es besser, weil sie eingangs die Tatsachen im Video gesehen haben: Die Mädchen waren nicht nackt, sie tranken kein Blut, der Teufel war nicht im Bunde. Wie aus dem harmlosen Ritual pubertierender Mädchen im puritanischen Milieu der amerikanischen Kleinstadt Salem 1692 eine Hexenjagd erwachsen konnte, dokumentiert Arthur Millers gleichnamiges Drama aus dem Jahre 1953 auf zwingende Weise. Der DS-Kurs 12 unter Leitung von Frau Stüsser hat sich dieses Klassikers der Bühnenliteratur angenommen, um die Logik herauszuarbeiten, mit der „die Hysterie einiger Mädchen zum Trigger für eine Lawine der Verblendung“ wird.

 

Um sich Verdächtigungen zu entziehen, schützen die Mädchen seltsame Symptome vor und mutieren, nachdem die Kirche auf den Plan gerufen wurde, zu Täterinnen. Plötzlich fällt ihnen die Macht zu, durch Beschuldigungen und Verdächtigungen über Schuld oder Unschuld, Leben oder Tod ihrer Mitbewohner Entscheidungen zu manipulieren. Im Hexenkessel aus Verleumdung und Denunziation lassen sich auch persönliche Motive ausleben. Abigail, von Agnes vielgesichtig dargestellt, hatte ein Verhältnis mit dem Farmer Proctor und bezichtigt dessen Frau der Hexerei. Proctor, den Philipp mit großer Präsenz verkörpert, versucht seine Frau zu retten. Doch gelingt es Abigail in der entscheidenden Szene durch die Macht, die sie über die Gefühle und Reaktionen der anderen Mädchen hat, das Ehepaar an den Galgen zu bringen.

 

Millers düsteres Meisterwerk ist eine Parabel auf die Hysterie einer ideologisch oder religiös verfassten Gesellschaftsordnung. Die Inszenierung verzichtete auf vordergründige Aktualisierungen, wie sie im Zeitalter des religiösen Fundamentalismus naheliegen, sondern ging in die Tiefe. Im Hintergrund wurde eine Psychologie der Massenhysterie erarbeitet, indem zu jeder Szene ein Register von Emotionen und sozialen Instinkten von A wie Angst bis V wie Verleumdung aufgeblättert wurde. Gerade dadurch wurde das Drama zum Lehrstück: Salem ist nicht weit vom Hier und Jetzt! Wir danken den Darstellern, die sich an diesen anspruchsvollen Stoff herangewagt haben. Eine bemerkenswerte Ensembleleistung!

 

Dorothee Welter-Hanau

E-Mail an Dorothee Welter-Hanau


 

 

 

 

Die Theater-AG glänzt mit „Störgeräusch“

 

„Wir wollten ein wenig provozieren und einen Schritt weiter gehen, um das typische Schultheater-Umfeld zu verlassen, vielleicht auch ein wenig schockieren. Uns allen war es wichtig, möglichst aus dem Rahmen zu fallen.“ (Kimberly D.) Dies ist der Theater-AG 11 unter der Leitung von Frau Stüsser und Herrn Reimers mit ihrem Stück „Störgeräusch“ voll und ganz gelungen. Nicht nur weil sie sich mit „Punk Rock“ von Simon Stephens ein hochprovokantes Stück Gegenwartsliteratur als Vorlage aussuchte, sondern vor allem, weil sie die Inszenierung zu einer Perfektion führte, die landläufige Vorstellungen von Schultheater hinter sich lässt.

 

Schon das auf kreuz und quer stehende Baumarktregale reduzierte Bühnenbild ließ erwarten, dass sich das Geschehen in diesem beengten Raum auf verbale Konfrontation und bloßliegende Emotionen konzentrieren würde. Psychologisch genau, weil intonatorisch und körpersprachlich auf den Punkt, führten die Darsteller im Folgenden vor, worum es ihnen und den Leitern bei diesem Stück ging: „emotionale Verarmung und nicht nur äußerer Druck“, die die oberflächlich heile Welt von sechs Eliteschülern auf subtile Weise einbrechen lassen.

 

Lilly (Kimberly D.) stößt als Neue zu dieser Schulclique aus der gehobenen englischen Mittelschicht, die sich wie gefangen in der abgeschotteten Welt der Oberstufenbücherei aufhält. Sie trifft dort auf William (Anton), der sich in sie verliebt, aber zurückgewiesen wird, weil Lilly den Lacrossespieler Nicholas (Jan) vorzieht. Der sportliche Macho Bennett (Emily) mobbt William, wie er jeden mobbt, außer seiner Freundin Cissy (Kimberly K.), vor allem aber Tanya (Maibritt), die von einer Zukunft mit ihrem Lehrer träumt. Aus quer schießenden Hormonen und wechselnden Allianzen entsteht eine explosive Gruppendynamik, die zum Schluss in Williams Amoklauf eskaliert. Für die AG hat dieses Ende nur marginale Bedeutung. Im Fokus stehen die „zerstörerischen Spiele“, in denen sich diese „intelligenten, eloquenten, ehrgeizigen Jugendlichen“ verfangen, weil es ihnen an emotionaler Kompetenz fehlt.

 

Dieses Wechselspiel von Emotion und Reaktion authentisch auf die Bühne zu bringen bedeutete eine große Herausforderung. Am 2. März 2017 verfolgte das Publikum im Theatersaal gebannt eine Aufführung, bei der jede körpersprachliche Regung, jeder Satz saß. Ein Glücksfall in der Theaterhistorie des GHB, aber wie so oft ist Glück ohne Arbeit schwer zu haben: „Viele Details mussten abgestimmt werden, die Intonation verschiedener Sätze und Passagen, das Zusammenspiel zwischen zwei oder mehreren Spielern, das Timing musste getaktet und immer wieder geübt werden, da einige Konversationen parallel laufen mussten, und gleichzeitig sollte das alles relativ natürlich und eben nicht einstudiert wirken.“ (Emily)

Vielen Dank an die Theater-AG mit Frau Stüsser und Herrn Reimers und herzlichen Glückwunsch zu einer außerordentlichen schauspielerischen Leistung. Zu schade, wenn wir das Stück nicht noch einmal im Theatersaal oder auf anderen Bühnen sehen könnten.

 

Dorothee Welter-Hanau


Die Theater-AG unter der Leitung von Frau Stüsser und Herrn Reimers zeigte einmal mehr, wie anspruchsvoll die Arbeit ist, die bei uns im Bereich Darstellendes Spiel geleistet wird.

Die sechsköpfige Gruppe (mit Maibritt, Emily, Kimberly D., Kimberly K., Jan und Anton) führte Ausschnitte aus Simon Stephens‘ „Punk Rock“ auf. Ein Stück, in dem sich Jugendliche an einer elitären englischen Schule immer weiter in den Abgrund treiben, aus Langeweile, Leistungsdruck, Identitätskrise, Macht oder Ohnmacht.

Alle Darsteller versenkten sich derart in ihre allesamt und auf verschiedenste Weise gestörten Charaktere, dass man sich als Zuschauer wahrlich beklommen fühlte und das dräuende Unheil ahnte, das sich schließlich in einem finalen Knall entlud.

Die klar-kühle Inszenierung, bei der man sich beinahe in einem Schwarz-Weiß-Film wähnte, bestach durch eine geradezu graphische Choreographie und ließ viel Raum für das mimische Können der Akteure.

Bewundernswert war ebenso (neben der schieren Textmenge, die zu lernen war), mit welcher Präzision die Schauspieler das Wechselspiel ihrer Dialoge auf den Punkt brachten.

Für die Akteure eine Höchstleistung, für die Zuschauer ein beeindruckender Theaterabend!

 

Katja Schattschneider

E-Mail an Katja Schattschneider