Alice im Anderland (S4)

Trauma statt Traum

Fotos: Dorothee Welter-Hanau

Layout: Sebastian Könnicke

„Alice im Wunderland“ ist ein Kinderbuchklassiker voller absurder und paradoxer Geschichten. Absurd geht es auch in „Anderland“ zu. Bloß erleben wir Alice hier als durch einen Brand traumatisierte Patientin einer psychiatrischen Klinik. Bevölkert wird diese von den fantastischen Figuren des Kinderbuches, die allerdings zu psychiatrischen Fällen umgedeutet wurden. Besonders markant erscheint diese Pathologisierung bei Alice.

Die Grinsekatze, die sie ständig begleitet, wird in der Psychiatrie als ein nur für die schizophrene Alice wahrnehmbares Alter Ego dargestellt. Das Kaninchen, die Köchin, die Herzogin, die Raupe und der Hutmacher – alle leiden an den unterschiedlichsten Erkrankungen oder Süchten.

Die Leitung der Klinik hat ein zynischer Fachidiot inne, der alternativlos auf Psychopharmaka setzt und die junge Assistenzärztin, die den Klinikalltag menschlicher gestalten möchte, süffisant vorführt. Ihr Versuch eine Gruppentherapie durchzuführen scheitert an der mangelnden Bereitschaft der Patienten.

Diese sind mit ganz anderen Realitäten beschäftigt: Tagsüber werden sie vom mitleidlosen Pflegepersonal drangsaliert und nachts treibt die mysteriöse Herzkönigin ihr Unwesen. Die Patienten beschließen, das Kaninchen vorzuschicken, um den Schlüssel der Herzkönigin zu stehlen. Doch dieses wird überwältigt und gefoltert und kehrt völlig zerstört zurück. Nur Alice und die Grinsekatze stehen dem Kaninchen bei, alle anderen flüchten.

Dieses Erlebnis scheint an Alices Trauma zu rühren. Sie trennt sich im Streit von der Grinsekatze. Allein auf der Bühne stehend scheint sie zwischen Erkenntnis und Hysterie, zwischen Schwäche und Aggression zu sich selbst zu finden: „Mein Name ist Alice. Sie werden alle brennen und alle haben es verdient.“ Linda und Kimberly D., die sich die Figur der Alice teilten, haben alle Facetten dieser anspruchsvollen Rolle ausgespielt. Sie trugen wesentlich dazu bei, beiden Aufführungen des S4-Kurses von Frau Kuzmanovska am 27.3. und 28.3.2018 zu ihrem großen Erfolg zu verhelfen. „Sucht, Verfolgungswahn, Kriegstraumata, Kindstötung und der Umgang der Gesellschaft damit“ - Die Schülerinnen und Schüler haben sich einer schwierigen Thematik auf überzeugende Weise angenommen. Ihre schauspielerische Leistung war in vielen Fällen herausragend. Ein gelungener Abend!

 

 

Dorothee Welter-Hanau

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