Kinder klagen an

Die 6a kreierte in der Theaterprojektwoche ein Stück wider die Doppelmoral der Erwachsenen.

Fotos: Dorothee Welter-Hanau

Layout: Sebastian Könnicke

Ganz in Schwarz, in Anzug und Robe, betritt das hohe Gericht die Bühne. Es hat noch nicht seine Plätze eingenommen, als eine Horde Kinder den Gerichtssaal stürmt und lautstark durcheinander sprechend den von den Erwachsenen verschuldeten Zustand der Welt beklagt:

Die Luft sei verschmutzt, das Meer überfischt, Kriege würden geführt, Tiere gequält. Es gebe Obdachlose. Erwachsene würden sich vor ihren Kindern streiten, rauchen und trinken. Nacheinander richtet daraufhin jedes Kind seinen Vorwurf ins Publikum und tritt ab.

Jetzt eröffnet der Richter die Verhandlung und wartet, bis sich auch der letzte Zuschauer von seinem Platz erhoben hat. Ein Gänsehautmoment. In der heutigen Gerichtsverhandlung sind alle Kinder der Welt Kläger gegen die Erwachsenen. Es handelt sich um eine Sammelklage, die - mit hoher Dunkelziffer - nur alle bekannt gewordenen Vergehen erfassen kann. Nach der Verlesung der Anklage erhält die Staatsanwaltschaft das Wort und hebt in ihrem Plädoyer auf die Doppelmoral ab, mit der Erwachsene ihre Vorbildfunktion verspielen. Massenhafte Täuschung von Kindern sei der Tatbestand, der vorliege, wenn Kinder z.B. angehalten würden, sich an Regeln zu halten, während Erwachsene bei Rot über die Ampel gehen, zu schnell fahren und bei der Steuerklärung lügen.

Der Reihe nach werden daraufhin die Angeklagten vernommen: das Ehepaar Kühne, das ein zu dickes Auto fährt, das Ehepaar Erdmann, das sich regelmäßig vor seinen Kindern streitet, Herr Schlot, der als durchschnittlicher Deutscher ca. 226 Millionen Zigaretten täglich raucht, Frau Bracke und Herr Schlick, die mit Plastiktüten und Plastikabfall die Umwelt verschmutzen. Trotzdem plädiert die Verteidigung auf Freispruch in allen Punkten der Anklage. Die Erwachsenen seien doch selbst einmal Kinder gewesen und hätten es nicht besser gelernt. Den ersten Krieger, den ersten Raucher müsse man finden, wenn es jemanden zu verurteilen gelte.

Doch das Gericht ist nicht bereit, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Die Erwachsenen werden verurteilt, sich zu informieren, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, immer zweifach nachzudenken und mindestens einmal am Tag auf das zu hören, was die Kinder sagen.

Damit endet diese eindrucksvolle Gerichtsverhandlung, mit der die Klasse 6a unter der Leitung von Frau Kuzmanovska und Herr Schröder einen bewegenden Einblick in das Erleben von Kindern gewährt. Das Thema wurde auf hohem Niveau verhandelt. Die schwierigen fachsprachlichen Texte und der strenge Gestus des Personals stellten die Schauspieler vor eine besondere Herausforderung, die sie souverän meisterten.

 

Dorothee Welter-Hanau

E-Mail an Dorothee Welter-Hanau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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