Theaterwoche

EQUALITY (S2)

Fotos: Dorothee Welter-Hanau

Equality

Jungs weinen nicht und Mädchen werden sowieso einmal Mütter. Wie wirkmächtig sind diese Geschlechterklischees heute noch bzw. wie steht es um die Gleichberechtigung? Der Theaterkurs 11 hat sich dieser Fragen mit Frau Kuzmanovska in einer Eigenproduktion angenommen und mit „Equality“ ein teils unterhaltsames, teils nachdenklich stimmendes Stück vorgelegt.

Nachdem der Chor zu Beginn gängige Vorurteile über Jungen und Mädchen wiedergegeben hatte, wurde das Thema szenisch durch einzelne biographische Stationen geführt: Familiengründung, Spielverhalten, Universität, Arbeitsleben und Burnout.

Die Szenen wurden gerahmt durch statistische Informationen, die Ensemblemitglieder auf der Bühne präsentierten. Die Szenen spiegelten oder konterkarierten diese Fakten in stereotypen Situationen, die einen hohen Wiedererkennungs- und d.h. Unterhaltungswert hatten, aber nicht immer erkenntnisfördernd waren.

Eine Ausnahme bildete die Szene im Spielwarenladen, die bei allem Klamauk erschreckend klarmachte, mit welchem Interesse die Spielwarenindustrie gängige Klischees über Jungen und Mädchen zementiert.

 Während bereits die Büroszene mit dem sexuellen Übergriff eine Gänsehaut aufkommen ließ, war mit der Burnout-Beichte des leistungsfixierten Familienernährers definitiv Schluss mit lustig. Die Darsteller versammelten sich zu einem Begräbnis. Aber es waren die Symbole ihrer eigenen Geschlechterzuschreibungen, die sie zu Grabe trugen: die Schminke, das Schwert, den Indianerschmuck.

Die Eindrücklichkeit dieser Szene lag in der Konsequenz, mit der die Darsteller sich von einem Teil ihrer bisherigen Identität trennten. Es war ein gemeinschaftlicher Akt, der Solidarität stiftete. Am Ende der Aufführung stand damit ein klarer Appell an jeden Einzelnen, individuell wie gesellschaftlich „equality“ einzufordern.

Wir danken dem Ensemble und Frau Kuzmanovska für die gelungene Aufführung!

 

Dorothee Welter-Hanau

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Marie hat AIDS (S2)

Fotos: Dorothee Welter-Hanau

Marie trägt ein rotes T-Shirt, alle anderen weiße Oberteile. So können wir Marie, die im Verlaufe des Stückes von sechs Darstellerinnen verkörpert wurde, immer erkennen. Wir erkennen aber auch auf Anhieb, dass Marie verwundbar ist. Marie kommt aus einem konservativen Elternhaus, sie ist keine gute Schülerin und sie ist sehr naiv. Andernfalls wäre es kaum dazugekommen, dass Marie sich gleich auf ihrer ersten Party von Tom, einem „Player“, „klarmachen“ lässt und ohne Kondom mit ihm schläft. Durch Zufall stellt sich beim nächsten Arztbesuch heraus, dass Marie HIV-positiv ist.

Soweit der Plot des Theaterstückes „Marie hat Aids“, mit dem sich der Theaterkurs 11 mit Frau Kuzmanovska in einer Eigenproduktion einer mutigen Thematik annimmt.

Wie wird die Geschichte auf der Bühne umgesetzt? Die Rolle der Marie wird nacheinander mit sechs Darstellerinnen besetzt, denn vielen Mädchen könnte Maries Schicksal widerfahren. Mit diesem inszenatorischen Kniff wird dem Zuschauer gleichzeitig die Bereitschaft abverlangt, sich auf immer neue Gesichter und Spielweisen einzulassen.

Marie wird in der Vorgeschichte an unterschiedlichen Stationen gezeigt, in der Kirche, im Elternhaus, mit Freundinnen. Der Zuschauer erkennt dabei, dass dieses Mädchen gerade auf Grund seiner Behütetheit für sexuellen Leichtsinn anfällig ist.

Auf der Party dann geht alles ganz schnell und Marie verschwindet mit Tom hinter der Bühne. Schlag auf Schlag nimmt das Verhängnis seinen Lauf: Marie offenbart sich einer Freundin, sie geht zu einem Routinetermin beim Arzt, sie erhält die Diagnose, offenbart auch dies ihren Freunden und wird daraufhin zum Opfer einer massiven, ja geradezu aggressiven Ausgrenzung, die sie in den Selbstmord treibt.

Dieses Tempo überfordert den Zuschauer an einigen Stellen und geht auch auf Kosten der Differenzierung. Ist es doch kaum vorstellbar, dass ein HIV-infizierter Mitschüler 35 Jahre nach der Entdeckung des Virus tatsächlich auf eine so radikale Ausgrenzung stoßen würde. Und was ist eigentlich mit Tom, was mit den anderen Mädchen, die er „klargemacht“ hat?

Für das Stück jedoch hat dieses Tempo einen dramaturgischen Zweck. Der Zuschauer erlebt Maries Untergang als unaufhaltsam und alternativlos. Denn „Marie hat Aids“ ist nicht in erster Linie ein Stück über den Umgang mit Aids, sondern ein Präventionsstück.

„Schützt euch“ – die Message, die am Ende steht, ist in Zeiten, in denen der Umgang mit Sex laut Statistik bei Jugendlichen wieder sorgloser geworden ist, keine Lappalie. Konsequent hat der Theaterkurs sein Aids-Stück als Premiere bereits für den versammelten Jahrgang 9 gespielt und einen Intim-Talk zum Thema angeschlossen. Ein mutiger Umgang mit einem hochaktuellen Thema! Damit wird Theater zu dem, was es in bester Tradition sein kann: zum Instrument der Aufklärung. Vielen Dank an den Kurs und Frau Kuzmanovska!

 

Dorothee Welter-Hanau

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Love without Gender (Klasse 9)

Fotos: Dorothee Welter-Hanau

„Love without gender“ bleibt im Theaterstück der 9. Klassen eine Utopie

Während die Einführung der Homo-Ehe in Berlin beschlossene Sache ist, wird im Theaterstück „Love without gender“ ein homosexueller Schüler bis zum tragischen Ende gemobbt. Der neue Mitschüler ist anders angezogen und er soll mit einem anderen Jungen Händchen gehalten haben. Das Gerücht verbreitet sich schnell in der ganzen Klasse, die sich gemeinsam – eine starke Eingangsszene – mit dem Gesicht zum Publikum wendet und mit dem Zeigefinger auf die „Schwuchtel“ deutet. In kurzen Szenen wird vorgeführt, wie der Konflikt eskaliert, vom Cybermobbing bis zum tätlichen Angriff, auf den der Selbstmord des Jugendlichen folgt.

Wir haben ihn nicht kennen gelernt. Gut möglich, dass niemand die schwierige Rolle übernehmen wollte. Die Unsichtbarkeit und Namenlosigkeit des Opfers führt aber auch dazu, dass wir unsicher bleiben, ob es sich tatsächlich um einen homosexuellen Mitschüler handelt oder ob nur ein Gerücht sich verselbstständigt hat. Die Frage ist gleichgültig, denn es geht um das Verhalten der Gruppe, die Übermacht sexueller Tabus und die Ausgrenzung alles Andersartigen.

 

Am Ende wird das Thema auf die Ebene von Vernunft und Aufklärung gehoben. Die Schulleiterin gibt in den Tagesthemen ein Interview, in dem sie Schuld und Konsequenzen klar benennt. Die Tagesschausprecherin tritt zuletzt vors Publikum und formuliert einen Appell für Toleranz in Liebesdingen.

 

„Love without gender“ bleibt im Theaterstück, das der Kurs im Darstellenden Spiel der 9. Klassen gemeinsam mit Frau Kuzmanovska entwickelte, eine Utopie. Wir danken der Gruppe für eine gelungene Aufführung, die uns vielfältige Anstöße zur Auseinandersetzung mit dem Thema gegeben hat.

 

Dorothee Welter-Hanau

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